AUFBRUCH: Pilgerstart am 22. Oktober 2025

Nach vier Jahren Warten, ist es endlich soweit. In Baden-Baden steigen wir in den TGV nach Marseille. In sechs Stunden werden wir Marseille-Saintes Charles erreichen, ohne Komplikationen und auf die Minute pünktlich!

Tagsdrauf bringt uns der Regio nach Arles und per Bus fahren wir weiter nach Saintes-Maries-de-la-Mer. Der berühmte Fischerort in der Camargue ist Ausgangspunkt unserer 7-tägigen Pilgerwanderung. In Les-Saintes soll Maria Magdalena der Legende nach mit ihren Gefährten nach ihrer abenteuerlichen Meerfahrt gestrandet sein. Unsere Gedanken sind bei ihr. Wir das sind: meine Pilgerbegleiterin Cordula und ich, Rose, Pilgereinsteigerin. Außerdem begleitet uns Siena, Cordulas Schweizer Sennenhündin. Wie Cordula ist sie pilgererfahren.

Die Eckdaten vorweg: Der Maria Magdalena-Trail hat insgesamt 222 km und wurde 2024 offiziell eröffnet. Wir wandern die erste Hälfte bis nach Marseille. Im April 2026 begeben wir uns ein zweites Mal auf die „Spuren der Maria Magdalena“ und vervollständigen die Pilgerroute von Marseille bis ins Ziel, Saint-Maximin-la-Sainte-Baume in der Provence.

Freitag, 24.10.2025: Etappe 1: Saintes-Maries-de-la-Mer – Mas Saintes Bertrand/Salin de Giraud, 25 km

Der erste Pilgertag beginnt mit einem stärkenden Frühstück im Hotel Dauphin. Strand, Meer und der Traileinstieg liegen nur einen Steinwurf entfernt. Sandrine macht uns das Frühstück auf 7:15 Uhr. Wir wollen um 8 Uhr, noch vor Sonnenaufgang, in den Trail einsteigen. Ein wenig bang ums Herz ist mir schon. Cordula, Siena und ich haben über 25 Kilometer vor uns. Jede hat 8 kg Gepäck auf dem Rücken – für mich als Ungeübte ist das schon eine echte Herausforderung. Auch Siena trägt zwei Satteltaschen, sie hat Futter und Wasser dabei. Was, wenn ich vor Erschöpfung einknicke oder Rücken und Füße so schmerzen, dass ich nicht mehr weiterlaufen mag?

Rucksack geschultert, Stirnband auf, Blick nach vorn! Meine trüben Gedanken weichen dem Zauber des Morgens: Die Luft ist klar, die Sicht weit, dem Mistral sei Dank. Noch während wir Saintes-Maries-de-la-Mer den Rücken kehren, geht die Sonne auf. Dort im Osten liegt Marseille – unser Ziel. Allmählich färbt das goldene Licht der aufgehenden Sonne die Fauna der Camargue in ihre wahren Farben und Formen. Zur Linken sehen wir Schilf, karge Felder und flache Seen mit vereinzeltem Brackwasser. Vor uns parallel zum Meeressaum der sandige Pfad, der uns später ins Landesinnere führen wird. Und dann sehen wir sie – die ersten Flamingos, die Farbtupfer in der an sich kargen Camargue. Ihr zartrosa Gefieder schimmert im Sonnenlicht. Wir beobachten sie, wie sie schlafen und ruhig stehen, uns scheinbar einen kurzen Blick zuwerfen, um dann wieder ihren eigenen Rhythmus zu finden – so wie wir!