31 km – Route der krassen Gegensätze!

Heute haben wir die längste Etappe mit 31 km vor uns. Der Grund: Nicht jede Herberge akzeptiert Hunde, sodass wir unsere Etappen an die Hundefreundlichkeit der Unterkunftsmöglichkeiten angepasst haben. Das bedeutet, die Etappe 2 kann auch verkürzt werden, wenn man bspw. in Fos sur Mer übernachtet.

Samstag, 25.10.2025: Etappe 2: Salin de Giraud – Saint-Mitre-les-Remparts, 31 km

Rückblick: Mas Saintes Bertrand entpuppte sich auf den 2. Blick als absoluter Glücksgriff. Das typisch provencalische Abendessen, vom Chef persönlich zubereitet, in außergewöhnlichem Ambiete zu genießen, verschlug uns erstmal die Sprache. Die Wirtin, gleichzeitig Künstlerin, stellt ihre Gemälde in einer riesigen Scheune aus, die sowohl als Atelier als auch als Restaurant dient.

Dank Magnesium und  Vitamintabletten hält sich der Muskelkater am Samstagmorgen in Grenzen. An meinen Füßen – keine Druckstelle …noch nicht! Ich freue mich auf den Tag und aufs Wandern. Was wird der 2. Tag bringen? Es beginnt zu tröpfeln, während die Sonne aufgeht. Im Mas Saintes Bertrand gibt es für Frühaufsteher kein Frühstück. Umso mehr freut uns der erste Halt in Salin de Giraud. Ein kleiner Alimentari bietet heißen Café und  herrlich duftende Croissants an. Neugierig geworden, sprechen uns Einheimische an. PilgerInnen, zumal mit Hund „avec sac à dos“, sind echt selten. Wir sind das absolute Eye-Catcher-Trio.

Heute schauen wir auf die Uhr! Wir müssen die Fähre erreichen, die uns über die kleine Rhône nach Port-Saint-Louis-du-Rhône bringt. Von dort aus nehmen wir die Bus-Linie 2. Denn ab hier beginnt industrielles Risikogebiet! Krass! Durch die trüben Autoscheiben sehen wir den größten Umschlagplatz im europäischen Gashandel, dessen Pipelines in die Schweiz, ins Elsass und sogar nach Karlsruhe (!) führen. Hier Marseille-Fos, die größte Tankstelle Europas, Schornsteine, Fabrikgebäude, Öltanks, Lagerhallen, Kräne und Baustellen, fast beängstigend und dort die weißen Strände des Golfe du Fos, die an Sommerwochenenden rappelvoll sind. Draußen auf dem Meer warten Ozeanriesen auf einen Platz im Hafen.

In Fos sur Mer halten wir uns nördlich und lassen das Meer erstmal hinter uns.

Hier beginnen die Salzseen, die der Mensch mit dem Meer verbunden hat. Wir tauchen ein in eine wald- und seenreiche Landschaft und finden mit pfadfinderischem Geschick den ansteigenden Pfad zum Oppidum Sainte Blaise. Cordula beschreibt es so: „Der Étang de Lavalduc ist einer der zahlreichen großen Salzgewinnungsseen im Rhône-Delta. Diese flachen, salzhaltigen Lagunen dienen nicht nur der Salzproduktion, sondern sind auch wichtige Lebensräume für zahlreiche Vogelarten, darunter Flamingos, Löffler und verschiedene Entenarten.
Zwar entdecken wir heute die erste (!), und später noch einige weitere Wegmarkierungen der Maria Magdalena Route, dennoch ist die Wegführung an manchen Stellen, zum Beispiel beim Unterqueren der Gleise, leicht verwirrend bis katastrophal. Wir arbeiten daher fortwährend mit Topoguide und Online-Landkarte, denn die Markierungen sind oft eine reine Glückssache!“

Obwohl wir nur eine kurze Frühstückspause eingelegt hatten, sind wir erst um 16:00 Uhr auf der Anhöhe von Saintes Blaise angekommen, eine bedeutende archäologische Stätte. Leider schließt das Museum gerade, aber wir können dank Cordulas perfekten Sprachkenntnissen mit dem Museumsvorsteher Nabil sprechen. Auf einmal ist Maria Magdalena präsent. Laut Nabil gibt es gute Gründe zu vermuten, dass Maria Magdalena hier wirkte. „Zur ihrer Zeit lebten bereits Kelten in dieser Region, und sie könnte Schutz auf ihrem Weg von Sainte-Maries-de-la-Mer nach Marseille gesucht haben. Von der Anhöhe aus hat man einen Überblick. Bis nach Marseille ist das Meer einsichtig und kann kontrolliert werden. Offensichtlich tat dies Maria Magdalena, weil sie Angst vor Verfolgern hatte. Damit verbindet die Kapelle keltische Ursprünge, biblische Legende und christliche Pilgertradition auf einzigartige Weise.“

Die heutige Kapelle ist Saint Blaise geweiht, einem Bischof und Heiligen des 4. Jahrhunderts, bekannt als Schutzpatron gegen Halskrankheiten. Die spirituelle Bedeutung des Ortes wurde über die Jahrhunderte immer wieder erweitert: Pilgernde der Provence betrachteten ihn als Kraftort.